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20.10.2021

Seelisches Wohlbefinden und körperliche Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Viele Botenstoffe kommunizieren miteinander und tauschen Informationen aus.

Stress attackiert Immunsystem

Chronischer Stress am Arbeitsplatz ohne entsprechenden Ausgleich macht auf kurz oder lang krank. Foto: Krakenimages.com - stock.adobe.com


Mit dem Wissenschaftszweig der Psychoneuroimmunologie wurde ein wichtiger Schritt in der Erforschung von psycho- somatischen Zusammenhängen gesetzt“, erklärt Dozent Dr. Markus Hutterer, Neuro- und Psychoonkologe bei den Barmherzigen Brüdern in Linz. „Noch vor gut vierzig Jahren wurde das Immunsystem autonom gesehen, das heißt, dass es völlig unabhängig arbeitet und mit den anderen Systemen im Körper nicht kommuniziert. Heute verstehen wir die Mechanismen der wechselseitigen Beeinflussung von Psyche, Gehirn, Immun- und Hormonsystem immer besser.“

Eine wichtige Erkenntnis

Eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre war, dass diese auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Systeme viele gemeinsame Botenstoffe zum gegenseitigen Informationsaustausch im Körper benutzen, also eine „gemeinsame Sprache“ besitzen. Dadurch können sich diese Systeme auch gegenseitig im Positiven wie im Negativen beeinflussen.

So führt die körperliche Berührung mit den Händen im Rahmen einer Physiotherapie oder ein in die Arme nehmen eines Familienmitglieds zu einem angenehmen Gefühl (u.a. Entspannung, Geborgenheit, Nähe, Trost, Reduktion von Angst). Dabei werden durch Sinneswahrnehmungen (Berührung, Riechen, Sehen, Hören, Schmecken) im Gehirn Botenstoffe wie z.B. „Oxytocin“ gebildet, welche diese Gefühle verstärken und das eigene Verhalten anpassen. Zudem verändern sie im Gehirn selbst die Funktionen des Hormonsystems (Hypothalamus, Hypophyse) und des Nervensystems (Parasympathikus, Thalamus, Rückenmark), sodass ein beruhigender und auch schmerzlindernder Effekt entsteht.

Negativer Effekt

„Das Verdrängen von Gefühlen, sozialer Rückzug, Ausgrenzung, traumatische Erlebnisse, aber auch außerordentliche Belastungen wie die anhaltende Corona-Pandemie können krankmachen, da unser Gehirn quasi im Dauerstress ist“, erklärt Dozent Hutterer. Als Folge regen das vegetative Nervensystem (Sympathikus) und der im Zwischenhirn gelegene Hypothalamus über die Hypophyse und das Hormon ACTH (Adrenocorticotropes Hormon) die Nebennieren an, Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol auszuschütten.

Stresshormone beeinflussen Immunzellen

Dozent Dr. Markus Hutterer, Neuro- und Psychoonkologe. Foto: BHB Linz

Dozent Dr. Markus Hutterer, Neuro- und Psychoonkologe. Foto: BHB Linz

Während einer Stressphase beeinflussen Stresshormone verschiedene Immunzellen: Abwehrzellen bilden entzündungsfördernde Botenstoffe, die Anzahl der tumorbekämpfenden Killerzellen wird dezimiert, das Zusammenspiel verschiedener T-Helferzellen wird beeinträchtigt. Diese Abwehrspezialisten patrouillieren unablässig durch den Körper und suchen nach potenziellen Aggressoren wie bösartig veränderten Körperzellen, ihre Dezimierung kommt den Krebszellen sehr entgegen, die „Eliteeinheit“ ist nicht mehr so schlagkräftig.

Dem chronischen Stress kann man allerdings mit zahlreichen Maßnahmen entgegensteuern: „Bewegung in der Natur, leichter Ausdauer- und Kraftsport sind gut, um Stress und Angst abzubauen. Wichtig sind auch soziale Kontakte und entlastende Gespräche. Wenn es nicht mehr persönlich geht (z.B. Corona-Pandemie), dann eben über (Video-)Telefon oder PC.“

Gutes Mittel

Ein gutes Mittel sind Entspannungstechniken. „Die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson ist schnell gelernt. Auf dem Youtube-Kanal „Barmherzige Brüder Linz“ und auf der Homepage www.bblinz.at findet sich dazu ein Video. Ebenfalls empfehlenswert: autogenes Training, Yoga, Tai Chi und Meditation.