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13.03.2022

Die Wohnmobilbranche hat während der Coronakrise ein historisches Hoch erlebt. Wie lange der Boom noch anhält und welche Hürden es gibt schildert Experte Harald Rass.

„Campen wird zum Luxus“

Harald Rass, GF Auto- und Wohnmobilvermietung Rass. Foto: Harald Rass


Herr Rass, während der Corona-Pandemie haben sich viele ursprüngliche Hotel-Urlauber ans Campen gewagt. Inwieweit konnten Sie diese Entwicklung bei Ihren eigenen Verkäufen spüren?

Harald Rass: Die Anfragen wurden natürlich viel mehr als vorher. Es waren auch ganz viele Kunden, die mit dem Campen vorher noch fast keinen Kontakt hatten – dadurch sind auch viele der Anfragen letztlich ins Leere gelaufen. Fast alle Kunden wollten das Fahrzeug sofort kaufen, aber durch die schwierige Liefersituation während Corona konnte man die vielen Anfragen gar nicht alle bedienen.

Wie sah Ihr Durchschnittskunde in den letzten beiden Jahren aus – eher Vollblutcamper oder absoluter Neuling auf dem Gebiet ?

Es waren wirklich viele Neulinge dabei, aber auch Kun- den, die schon länger ein Wohnmobil hatten und gegen ein neueres Modell tauschen wollten. Für Gebrauchtwagen wird zur Zeit überdurchschnittlich viel bezahlt – und das hat sich auch rumgesprochen.

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Glamping – kurz für „Glamourous Camping“ ist inzwischen zum geläufigen Begriff für Luxus im Campingleben geworden. Worauf legen Ihre Kunden am meisten Wert?

Unsere Kunden wollen vor allem schöne und nicht zu enge Bäder. Im Urlaub selbst haben viele den Anspruch auf Restaurants und Bars in der Nähe – die Küche kommt für Luxuscamper oft auch nur zum Kaffeekochen zum Einsatz.

Hält die ansteigende Nachfrage immer noch an, obwohl Fernreisen und Hotelurlaube wieder möglich sind?

Die Nachfrage ist aktuell immer noch sehr hoch, aber nicht mehr in einem solchen Extrem wie noch vor einem Jahr. Viele Kunden schrecken die extrem hohen Steuern ab – die motorbezogene Versicherungssteuer hat sich auf das 3-Fache erhöht und die Nova steigt jedes Jahr. Der Kauf eines Campers entwickelt sich mittlerweile zum Luxusgut, das sich ein Durchschnittsverdiener jetzt langsam kaum mehr leisten kann. Auch die Campingplätze ziehen ordentlich an und kosten zum Beispiel in Kroatien in der Hauptsaison schon teilweise über 70 Euro pro Tag.

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"Campen ist eine Freiheit, nach der sich immer mehr Menschen sehnen. Leider wird sie nur immer schwerer erreichbar." Harald Rass, GF Autovermietung Rass
Fotos: makera - stock.adobe.com

Wie schätzen Sie die Newcomer-Camper ein – wie viele werden tatsächlich beim Camping bleiben, für wen war es nur eine Corona-Lösung?

Ich schätze es wird ungefähr auf 50-50 hinauslaufen. Den einen gefällt es – ein paar von ihnen werden den Campertyp eventuell noch in ein passenderes, größeres oder kleineres Modell tauschen – und einige werden die Fahrzeuge dann in ein bis zwei Jahren wieder verkaufen.

Wird der Markt dementsprechend bald mit gebrauchten Wohnmobilen geflutet?

Unter normalen Umständen wäre das sicherlich so. Da aber fast keiner in dem enormen Ausmaß der Nachfrage liefern konnte, wird sich auch der Wiederverkauf in Grenzen halten – und sich eben auf diejenigen 50% belaufen, die mit dem Campen doch nichts anfangen konnten. Dadurch wird es jetzt vermutlich erst einmal ruhiger bleiben. Der Trend zur mobilen Freizeit wird laut Prognose noch etwas anhalten – je nachdem, ob die Aufbauhersteller in Zukunft auch alternative Antriebe wie Dieselhybride anbieten. Zeitgleich müsste aber auch der Gesetzgeber die 3.5t Grenze auf 4.2t anheben, da der Führerschein bis 3.5t bislang eine ganz große Hürde für Luxusfahrzeuge ist.

Wann ist aus finanzieller Sicht die beste Zeit im Jahr, sich nach einem neuen Wohnmobil umzuschauen?

So früh wie nur möglich, dann kann der Händler den besten Preis geben, da er in der Jahresbestellung noch einen kleinen Nachlass beim Hersteller generieren kann. Leider müssen aber auch die Hersteller die Preise durch die aktuelle Lage und steigende Materialpreise ständig nach oben korrigieren. Da können wir als Händler am wenigsten ausrichten. Viele Interessierte haben noch vor der NoVA-Reform im letzten Jahr einen Kaufvertrag abgeschlossen, um die sprunghafte Teuerung zu umgehen. Elena Krasovc